Anfang Januar wunderten sich immer mehr BahnCard-Inhaber:innen, die den Nahverkehr in Verkehrsverbünden nutzen. Der einst versprochene 50-Prozent-Rabatt auf bestimmte Regionalbahnfahrten war plötzlich verschwunden – ohne jede Information, ohne Ankündigung, ohne Erklärung. Was macht die Deutsche Bahn da wieder?
Was war passiert? Der Rabatt wurde schlicht ohne klare Kommunikation gestrichen. Offenbar halten es Verkehrsverbünde nicht mehr für wirtschaftlich, BahnCard-Inhaber:innen Rabatte auf Einzelfahrscheine zu gewähren.
Die entstehenden Einnahmenverluste würden weder von der Deutschen Bahn noch vom jeweiligen Land ausreichend ausgeglichen. So oder so wurde plötzlich auf mehreren Routen der Normalpreis nötig. Wofür benötigte man dann noch die BahnCard?
Wer die BahnCard jetzt bereut – und warum zu Recht
Wer sich eine einjährige BahnCard – etwa im Dezember 2025 – genau für solche Regionalbahnfahrten gekauft hat, steht nun mit leeren Händen da. Die Preise haben sich in kürzester Zeit schlicht verdoppelt. Natürlich könnte man sich jetzt ein Deutschlandticket kaufen – für das allerdings keine BahnCard benötigt wird. Schlimmstenfalls muss man fast ein Jahr lang beides kaufen.
Außerdem hat man sich die BahnCard ja gerade deshalb zugelegt, um kurzfristig und flexibel Bahntickets kaufen zu können – und eben kein weiteres Monatsabo abschließen zu müssen. Das dann bis zum 10. (!) eines laufenden Monats gekündigt werden muss, was das Deutschlandticket für viele Spontankäufer unattraktiv macht. Denn das ist das genaue Gegenteil von Flexibilität.
Gefühl, dass die Deutsche Bahn Kunden im Stich lässt
Was macht die Deutsche Bahn in Zeiten, in denen sie ihrer langjährigen Kundschaft ohnehin schon ständige Verspätungen, Zugausfälle und endlose Baustellen zumutet? Geht sie wenigstens flexibel auf jene Kund:innen zu, bei denen ein einfacher Blick ins CRM genügt hätte, um festzustellen, dass deren BahnCard durch die Streichung nun faktisch wertlos geworden ist?
Das Mindeste wäre aus Sicht der Kundenpflege eine kulante und flexible Kündigungsfrist – schließlich sind die Vergünstigungen weggefallen, die seinerzeit versprochen wurden. Doch die Deutsche Bahn geht diesen Schritt dem Anschein nach nicht. Bei einer entsprechenden Kundenanfrage wurde der eigentliche Sachverhalt schlicht ignoriert. Wer eine sofortige Kündigung der BahnCard verlangte, erhielt diese lediglich zum Ende der regulären Jahresfrist.
Doppelt bestraft: Höhere Preise, weiter laufender Vertrag
Das bedeutet im Klartext: Die Fahrkosten haben sich verdoppelt – und trotzdem muss die BahnCard noch bis zu ein Jahr lang weiterbezahlt werden. In Sachen Kundenfreundlichkeit ist das eine einzige Katastrophe, könnte Kritiker:innen jetzt sagen.
Die rechtlichen Konsequenzen wären an anderer Stelle zu diskutieren. Allerdings dürfte sich die Bahn, die in solchen Fragen erstaunlich versiert ist, während sie kommunikativ oft so ungeschickt agiert, auch hier gut abgesichert haben.
Jagt die Deutsche Bahn nur noch Negativrekorde?
Die Pünktlichkeit im Fernverkehr erreichte 2024 mit 62,5 Prozent einen historischen Tiefpunkt – die schlechteste Quote seit 21 Jahren, ähnlich niedrig wie 2023, das bereits als Negativrekord galt. Im Januar 2026 sank die Fernverkehrs-Pünktlichkeit noch weiter auf 52,1 Prozent.
Laut einem Sprecher der Deutschen Bahn sind 80 Prozent der Verspätungen auf die marode und überlastete Infrastruktur zurückzuführen. Kritische Stimmen weisen jedoch zusätzlich auf unzählige Managemententscheidungen hin, die mehr als fragwürdigt erscheinen.
„Größte Krise seit der Bahnreform“
Vollständige Zugausfälle fließen nicht in die offizielle Pünktlichkeitsstatistik ein – und 2024 fielen rund 14.000 Fernzüge komplett aus. 2024 stand bei steigenden Preisen ein Nettoverlust von rund 1,8 Milliarden Euro, nach 2,7 Milliarden im Vorjahr.
Im Jahr 2024 wurden 6,9 Millionen Entschädigungsanträge gestellt, die Bahn zahlte fast 200 Millionen Euro aus. Konzernchef Richard Lutz bezeichnete die Lage als „größte Krise seit der Bahnreform“ – und verdiente 2024 dabei rund 2,1 Millionen Euro inklusive Boni.
Restrukturierungen und Change-Begleitung – darum scheitern so viele Projekte
Ausblick: Teure Werbung statt treuer Kund:innen?
Was bleibt? Vor allem Kopfschütteln. Es werden Unsummen in teure Werbung und offenbar unpassendes Führungspersonal investiert – während langjährige und treue Kund:innen offenbar in Verträgen festgehalten werden, deren versprochene Leistungen verschwunden sind.
Manche fragen sich: Will die Bahn wirklich gehasst werden? Dann ist genau dieses Verhalten der richtige Weg. Man stelle sich vor: Eines Tages fährt die Bahn tatsächlich (fast) immer pünktlich – aber niemand ist mehr da, um einzusteigen.
In diesem Sinne: Viel Glück bei der Weiterfahrt, Deutsche Bahn!
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